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FAB World Frauen Café - Jeder kann Plastik vermeiden

07.03.2019 | FAB


Wussten Sie, dass der Great Pacific Garbage Patch, also der größte der fünf Müllstrudel in den Weltmeeren, mehr als viermal so groß ist wie Deutschland? Das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn 99 Prozent des Meeresmülls treiben unter Wasser oder verteilen sich als Mikro- und Nanoplastikpartikel.

„Planet Plastic? – Raus aus der Wegwerfgesellschaft“, lautete ein Vortrag der Grünen-Bundestagsabgeordneten Dr. Bettina Hoffmann. Auf Einladung von FAB, der gemeinnützigen Gesellschaft Frauen Arbeit Bildung, war die umweltpolitische Sprecherin in den Sprudelhof nach Bad Nauheim gekommen. Dort läutete Geschäftsführerin Karin Frech den Internationalen Frauentag ein. FAB wurde von pragmatischen Idealistinnen als Verein aus der Taufe gehoben und ist mit seinen mittlerweile fast 500 Mitarbeiter der größte Bildungsträger im Kreis. Die Gesellschaft steht jedoch nicht nur für Frauen- oder Bildungsthemen, sondern auch für Fragen und Lösungen zu Sozialem, der Migration, zur Nachhaltigkeit und Diversity.

Selbstredend lautete das Motto des diesjährigen World Frauen Cafés „Plastik.Müll.Vermeiden“. Grünen-Landtagsabgeordnete Kathrin Anders, Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch (SPD), Seniorenbeauftragte Renate Klingelhöfer und etliche andere Prominente und Interessierte waren der Einladung gefolgt.

„Es ist an jedem selbst zu reflektieren, was er in seinem eigenen Zuhause ändern und zum Umweltschutz beitragen kann“, appellierte Karin Frech an die Zuhörerinnen. Es ginge vor allem um die Zukunft der jüngeren Generation. „Es ist schön, dass es Jugendliche gibt, die zivilen Ungehorsam zeigen“. Sie sprach damit auf die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg an, die jeden Freitag während der Schulzeit für ein besseres Klima demonstriert. Viele Jugendliche haben sich ihr mittlerweile angeschlossen. „Sie machen das zurecht“, bemerkte die Geschäftsführerin. Und zu den Schülerinnen und dem Schüler der Ernst-Ludwig-Schule gewandt: „Ihr seid die Zukunft“. Die sechs präsentieren selbst entworfene Kleider aus recyceltem Material. Dies war ein kleiner Vorgeschmack auf ihre im Juni stattfindende Veranstaltung „Save-the-ocean-Catwalk“.

Dass das Ausmaß der Vermüllung so immens ist, darüber waren die Zuhörerinnen und Zuhörer geschockt: 150 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen derzeit in den Meeren und jährlich kommen 13 Millionen Tonnen Plastik dazu, informierte Dr. Bettina Hoffmann. Dies entspricht rund einer LKW-Ladung Müll pro Minute, die ins Meer gekippt wird. Schon jetzt würden bis zu einer Million Seevögel und 100.000 Meeressäuger an diesen Spuren der Wegwerfgesellschaft sterben. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an PET Einweg-Flaschen liegt bei 212 im Jahr. Allesamt nebeneinandergestellt würde das eine Schlange ergeben, die fast 35 Mal um die Erde reicht. Eine Plastikflasche benötigt 450 Jahre, bis sie sich zersetzt. Auch wenn sie dann optisch nicht mehr zu entdecken ist, ist sie immer noch als Mikroplastik vorhanden.

Tatsächlich wird laut offiziellen Daten nur etwas mehr als ein Drittel des Plastikmülls recycelt, prangerte die Biologin an. Der Rest werde verbrannt. Die gesicherte Recycling-Quote liege laut ihren Informationen allerdings bei 17,3 Prozent. Deutschland sei in der Europäischen Union das Schlusslicht bei der Vermeidung von Verpackungsabfall.

Dr. Hoffmann richtete Kritik an Bundesumweltministerin Svenja Schulze. „Schulzes Plan gegen Plastikmüll ist eine bittere Enttäuschung. Er enthält keine neuen Vorschläge, um die Plastikflut wirklich einzudämmen. Statt ein verbindliches Abfallvermeidungsziel auszugeben und mit konkreten Maßnahmen zu untermauern, setzt Schulze auf freiwillige Maßnahmen der Industrie.“

Es sei Aufgabe der Umweltministerin, einen verlässlichen und ambitionierten Rahmen für besseres Recycling und die Reduzierung des Plastikmülls zu schaffen – notfalls auch gegen Widerstände in der eigenen Regierung und der Industrie. „Angesichts der fortschreitenden Vermüllung unserer Natur mit Plastik brauchen wir endlich eine Umweltpolitik, die den Schutz unserer Lebensgrundlagen in den Mittelpunkt stellt.“

Der Plastikwahn werde jedes Jahr mit mindestens 780 Millionen Euro subventioniert, indem auf die stoffliche Nutzung von Erdöl keine Energiesteuer erhoben wird. „Das wollen wir beenden“, kündigte Hoffmann an. Ein längst überfälliger Schritt wäre es auch, Mikroplastik in Kosmetika konsequent zu verbieten. Eine globale Plastikkonvention sei unerlässlich, um den Eintrag von Plastik in die Weltmeere bis 2030 zu stoppen.

„Wir denken bereits an Müllvermeidung, müssen aber handeln“, sagte auch Stephanie Becker-Bösch. Die Möglichkeit, bei den zahlreichen Direktvermarktern im Wetteraukreis lose, unverpackte Produkte einzukaufen, wäre ein Anfang.

Auf dem Bild sehen Sie v. l. Kathrin Anders (Vorstand FAB e.V.), Karin Frech (FAB-Geschäftsführerin), Ulla Becker (Vorstand FAB e.V.), Stephanie Becker-Bösch (Erste Kreisbeigeordnete), Dr. Bettina Hoffmann (MdB Grüne)

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