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SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles neugierig auf FAB

25.10.2018 | FAB


Es duftete verlockend, der Tisch im Meetingpoint von Frauen Arbeit Bildung in Friedberg war reichlich gedeckt. An diesem Tag sollte der Raum zu einem besonderen Treffpunkt werden: Andrea Nahles, Vorsitzende der Bundes-SPD und der Fraktion im Bundestag, wollte den Bildungsträger kennenlernen. An ihrer Seite: Mirjam Fuhrmann, SPD-Landtagskandidatin. Begrüßen konnte FAB-Geschäftsführerin Karin Frech auch die Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch und als einzigen Mann am Tisch Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer des Jobcenters im Wetteraukreis. „Schön, dass wir hier alle zusammen sind und darüber reden können, was uns wichtig ist“, eröffnete Karin Frech die Runde. Diskussionswürdige Themen gab es einige.


„FAB ist ein wichtiger Bildungsträger im Wetteraukreis“, informierte Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch. „Frau Frech und ihr Team sind ganz wichtige Partner in vielen Bereichen und insbesondere bei zahlreichen Frauen- und Flüchtlingsprojekten. Wir arbeiten gerne und intensiv miteinander.“  
Im vergangenen Jahr hatten 2300 Teilnehmer aus 65 verschiedenen Herkunftsländern einen der 127 Kurse von FAB belegt. 41 davon waren Sprachkurse. „Ohne deutsche Sprache sind die Chancen auf einen Berufseinstieg gering“, unterstrich Karin Frech.


Gefüllte Weinblätter, Reis, Hähnchen, Kartoffeln, Brot, Kichererbsen und vieles mehr hatten die Damen aus dem Kurs „Kompetenzen zeigen – Sprache lernen“ für den Besuch aus Berlin gekocht. Dieser Sprachkurs für Frauen hat ein besonderes Format: Die Frauen lernen während des Kochens. „Das gibt ihnen Selbstbewusstsein und motiviert sie zu lernen“, erklärte Silke Wegner, Leiterin des Bereichs Bildung. Und der Kurs fördere die Toleranz. Allerdings nicht mit denen, die sich in Deutschland gegen die Demokratie wenden und damit das Leben anderer, die sich anstrengen und sich integrieren wollen, erschweren. Das verdeutlichten die Teilnehmerinnen, als sie nach ihren Wünschen gefragt wurden.  
Das neue Einwanderungsgesetz wolle denen, die alles richtig machen, helfen, dass sie auch in Deutschland bleiben dürfen, informierte Andrea Nahles. Wer sich an die Regeln halte, solle eine Chance bekommen.


„Wie können wir Ihnen noch helfen?“, fragte die Bundespolitikerin in die Runde. Ein wichtiges Thema: Die mangelnde Anerkennung der Berufsabschlüsse aus den Herkunftsländern vereitelt manchen Migranten den Einstieg in ein Berufsleben. „Wenn jemand bereits in seinem Herkunftsland ältere Menschen gepflegt hat, verfügt er über eine soziale Kompetenz, sie sich mit späteren Weiterbildungen noch ausbauen lässt“, beschrieb Stephanie Becker-Bösch. Krankenschwestern, Pflegekräfte, Erzieherinnen oder Teilhabeassistenten werden im Wetteraukreis händeringend gesucht. Doch die Anforderungen in Deutschland sind kompliziert. „Im Bereich Jugend und Soziales fehlen uns Kapazitäten“, unterstrich Stephanie Becker-Bösch und nannte ein Beispiel: Im Wetteraukreis gibt es im Moment 1200 Kinder, die durch einen Teilhabeassistenten in die Schule begleitet werden müssen und es werden jedes Jahr um 20 Prozent mehr.


„Wir entwickeln hier bei FAB tolle Ideen. Oft fehlt uns jemand, der uns unterstützt“, betonte Silke Wegner. Die Frauen in den Kursen würden Kompetenzen mitbringen. Diese müssten in gezielten Maßnahmen weiterentwickelt werden, damit nach dem Kurs kein Leerlauf entsteht. „Würden Sie denn in der Lage sein, solche Fortbildungsmöglichkeiten aufzubauen?“, fragte Andrea Nahles in die Runde. Ja, die Kompetenzen bei FAB seien vorhanden, reflektierten die Führungskräfte. Nahles notierte sich das.


Eine greifbare Perspektive stellte die Bundespolitikerin den Pflegekräften, die bislang oft unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden, aus. Im November würde das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz auf den Weg gebracht werden. Mit diesem sollen künftig Pflegepersonalkosten besser und unabhängig von Fallpauschalen vergütet werden.


In kurzen Vorträgen präsentierten die Bereichsleiter die wichtigsten Betätigungsfelder von FAB. Annika Thimme-Frowerk stellte das Modell „FAB in Service“ (FABIS) vor. Dort wird den Menschen ein Zeitkontingent für verschiedene Dienstleistungen im Alltag geboten. Für was die Stunden genutzt werden, bestimmen die Menschen selbst. Das Modell soll den Menschen helfen, solange wie es geht, in ihrem Zuhause bleiben zu können, erklärte Karin Frech. FABIS bietet auch einen Pflegedienst an und hat deutlich mehr Anfragen als man bedienen kann. Auch weil Fachkräfte fehlen. Das Unternehmen beschäftigt sich intensiv mit der Frage, welche Arbeiten Roboter in der Pflege übernehmen können. „Robotics sind keine Utopie mehr“, stellte Karin Frech fest.


Rita Ulrich, Bereichsleiterin für die Schul- und Arbeitsbegleitung, informierte, dass im vergangenen Monat 307 Mitarbeiter für 385 Kinder an Allgemeinschulen und an Förderschulen als Teilhabeassistenten im Einsatz waren. Sie helfen Kindern, die eine geistig-körperliche oder eine seelische Beeinträchtigung haben.


Die KochFABrik liefert zu Höchstzeiten täglich 1700 bis 1800 Essen an Kindergärten und Schulen. Auch wenn das Lieblingsessen der Kinder Nudeln mit Tomatensauce ist, kocht die KochFABrik frisch und mit regionalen Produkten. Die KochFABrik ist der einzige Caterer in der Wetterau, der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zertifiziert ist und verwendet etliche Bio-Lebensmittel. Der Aufwand, um beispielsweise Kartoffelbrei, Soßen oder Pudding selbst herzustellen, und der Einsatz wertvoller Lebensmittel wird allerdings nicht immer geschätzt. Oftmals ist es nicht die Qualität, sondern einzig der Preis, der über den Caterer entscheidet. „Gott sei Dank müssen wir nicht gewinnmaximierend arbeiten, sind aber trotzdem sehr erfolgreich. Das sollten sich viele Unternehmen anschauen, bevor sie Managergehälter in Millionenhöhe vergeben“, betonte Karin Frech abschließend.
 

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