Home » Aktuelles » 14.11.2017 - Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe zwischen Motivation und Frustration

Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe zwischen Motivation und Frustration

14.11.2017 | Bildung


Büdingen. 2014 fiel der berühmte Satz "Wir schaffen das". Seither hat sich sehr viel getan in der deutschen Flüchtlingshilfe. Viele Menschen fühlten sich vom Aufruf der Bundeskanzlerin angesprochen und wollten helfen. Ein großer Teil ist seither ehrenamtlich tätig. Drei Jahre später kann man ein Resümee aus Sicht des Ehrenamtes ziehen, eines das gespalten ausfällt.

Eingeladen hatte die FAB gGmbH zum Themenabend mit dem Titel Zwischen Motivation und Frustration - ehrenamtliches Engagement in der Krise? (gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über den Paritätischen Gesamtverband (Der PARITÄTISCHE). Der Titel versprach eine lebhafte Diskussion und vielleicht auch die eine oder andere Geschichte des Scheiterns. So kam es allerdings nicht.

Ein Blick in die Runde verriet, das Ehrenamt wird insbesondere von Menschen ab 50 getragen. Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe ist mehr als ein Hobby: Es kostet Zeit und es kostet Kraft. Rückblickend stellten einige Gäste fest: "Vom Märchenland 2014 zum Status Quo, da ist die Luft raus kann man sagen." Mittlerweile ist die Anfangseuphorie vieler Ehrenamtlicher Helfer verflogen. Und ja, die meisten Anwesenden an diesem Abend sind schon durch frustrierende Phasen gegangen:

Sei es ein Flüchtling, der statt einen hochqualifizierten Ausbildungsplatz anzunehmen, lieber einen geringqualifizierten Job annimmt, um möglichst schnell Geld zu verdienen. Kurz gedacht, aber nicht selten warten Familienteile in der Heimat dringend auf finanzielle Unterstützung. Oder sei es das private Umfeld, das Ehrenamtlichen mit Anfeindungen begegnet, weil nicht jeder verstehen kann, dass den Fremden so intensiv geholfen wird. Oder Behördengänge, die nicht selten scheinbar unüberwindbare administrative Hürden mit sich bringen.

Manuel Neumann (Pädagogischer Mitarbeiter und Qualitätsbeauftragter im Bereich Bildung der FAB) wies darauf hin: "Wir haben es in unserer täglichen Arbeit mit Menschen zu tun. Das birgt immer die Möglichkeit, Motivation oder Frustration zu erfahren, egal wo wir arbeiten. Im Ehrenamt ist dies allerdings langfristig schwerer zu tragen, schließlich arbeitet das Ehrenamt freiwillig und erwartet keine Entlohnung." Oder doch? Doch!

"Weshalb arbeite ich eigentlich ehrenamtlich?" fragte Neumann in die Runde. Die Antworten überraschten: Das Gefühl helfen zu müssen, nachdem 2014 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht jedoch das Gefühl, das eigene privilegierte Leben zwar genießen zu wollen, aber auch Verantwortung zu übernehmen. "Uns geht es gut, das können wir doch auch weiter geben und sinnvoll nutzen, denn schließlich ist ein Zusammenhang zwischen unserem Reichtum und der Armut und Konflikte anderer Staaten nicht von der Hand zu weisen". Und ein bisschen Neugier auf das Andere ist auch immer mit dabei: "Die Neugier vor dem Fremden gepaart mit einer Portion Weltoffenheit, das ist eine Hauptmotivation und die ebbt auch nicht ab", erklärte ein Gast.

Seit 2014 ist vieles passiert in Deutschland. Ein Resümee fällt gespalten aus: Es ist insbesondere auch in ländlichen Regionen bunter geworden. Jedoch, der Erfolg der Flüchtlingshilfe in Deutschland ist stark vom Ehrenamt abhängig. Der Abend zeigte: Städte, Kommunen und Länder sollten ihr Augenmerk verstärkt auf das Ehrenamt richten. Ein bisschen mehr Dialog wäre bereits eine große Motivation.

Anerkennung erfahren Ehrenamtliche in ihrer täglichen Arbeit von ihrem Gegenüber. Diese Anerkennung ist ausbaufähig und darf nicht aus dem Blick geraten, denn Ehrenamt ist nie selbstverständlich. Sei es der Übungsleiter im Sportverein oder der Flüchtlingshelfer. Wirklich präsent werden sie der Öffentlichkeit nur selten gemacht. Das ist schade und riskant. Es hieß ja nicht, ihr schafft das, sondern "wir schaffen das". Da überrascht es fast ein wenig, dass das Credo des Abends lautete: Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe ist ein ständiges Hoch und Tief, aber die positive Energie, die es mitbringt überwiegt. Danke Ehrenamt!

 

 

» zur Übersicht
Copyright © FAB gemeinnützige GmbH für Frauen Arbeit Bildung 2018.