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Integration für alle hilft Demokratie zu leben

27.10.2017 | Bildung


Deutsch lernen. Vor dieser Aufgabe stehen in der Wetterau aktuell so viele Menschen wie noch nie. Sprachschüler aus unterschiedlichen Herkunftsländern und mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Doch wer noch im Asylverfahren ist, der wird ausgeschlossen. Das ist zu kurz gedacht.

Integration durch Bildung. Eine Mammutaufgabe, die in der Wetterau erfolgreich umgesetzt wird, so der Tenor auf der ersten Bildungskonferenz "Integration durch Bildung - Sprachförderangebote für Neuzugewanderte im Wetteraukreis", zu der der Erste Kreisbeigeordnete und Bildungsdezernent Jan Weckler eingeladen hatte.

Karin Frech (Geschäftsführerin FAB gGmbH) machte beim Podiumsgespräch jedoch deutlich, dass es bei Integration und Sprache nicht allein darum gehen darf, die Region mit ausreichend Kursen zu versorgen, denn der Erfolg von Integration durch Bildung hängt nicht nur von den Angeboten der Institutionen ab. Zwei weitere Faktoren sind dabei entscheidend: Die ehrenamtlichen Strukturen im Wetteraukreis und die Befähigung aller Asylbewerber mit der Integration zu beginnen:

"Ehrenamtler treffen die Menschen in einem anderen Kontext, in einer ganz anderen Umgebung als Sprachlehrer zum Beispiel. Sie haben viel mehr Möglichkeiten, sich individuell auf Menschen einzulassen, das ist unheimlich wichtig."

Status quo in Deutschland ist, dass nur Menschen mit abgeschlossenem Asylverfahren an Integrations- und Sprachkursen teilnehmen dürfen. Mit Ausnahme von Asylbewerbern aus Iran, Irak, Eritrea, Syrien und Somalia. "Ich bezweifle, dass es Sinn macht Menschen, die noch im Asylverfahren sind, den Zugang zu Integrationskursen und Sprachförderung zu verwehren: Ich bedauere ein wenig, weshalb wir nicht allen Menschen, die hier her kommen, Sprachkurse anbieten können. Vielleicht könnten sie, auch wenn sie wieder zurück müssen, zumindest ein bisschen etwas von unserer Demokratie mitnehmen."

Auch Silke Wegner, Bereichsleitung Bildung bei der FAB gGmbH (Frauen Arbeit Bildung), wies in Ihrem Workshop Herausforderung der Berufsbezogenen Deutschförderung, auf eine weitere Baustelle hin: "Die größte Herausforderung liegt für uns im Moment eigentlich darin, dass die Teilnehmer unserer Sprachkurse mit ganz unterschiedlichen Lernfähigkeiten aufeinandertreffen. Da sitzt der studierte Arzt neben einem Teilnehmer, der die Schule nur bis zur vierten Klasse besucht hat." Auf die Publikumsfrage "Weshalb nehmen mehr Männer als Frauen an den Sprachkursen teil?" Hatte Wegner eine überraschende Antwort: "Natürlich sind in den vergangenen Monaten vermehrt Männer zu uns gekommen. Aber wir haben auch eine große Nachfrage von Frauen. Allerdings gibt es im Wetteraukreis nicht ausreichend Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Damit sind sehr viele dieser Frauen nicht in der Lage an den Kursen teilzunehmen."

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