Home » Aktuelles » 23.10.2017 - Die Wende im doppelten Sinne

Die Wende im doppelten Sinne

23.10.2017 | FAB


Wer einmal direkt oder indirekt von einer schweren Krankheit oder Behinderung betroffen war, der weiß, wie wichtig es ist, Hilfe zu bekommen. Bemerkt man im Alter, dass viele Dinge immer schwerer fallen, macht man sich Gedanken darüber, was ist wenn es nicht mehr alleine geht. Viele Menschen sind allein auf sich gestellt. Was dann? „Vertrauen und gegenseitige Anerkennung müssen da sein, sonst klappt es nicht“ sagte Werner H. gleich zu Beginn des Gesprächs. Herr H. sitzt seit drei Jahren im Rollstuhl, nachdem er ein Bein verloren hat. Seine Lebensgefährtin benötigt einen Rollator, um sich fortbewegen zu können. Das lebensfrohe Paar überrascht mit seiner lustigen und offenen Art und mit seiner Geschichte.

Kunden bemerken sehr schnell, ob es den Mitarbeitern von haushaltsnahen Dienstleistungsunternehmen nur darum geht, ihre Zeit abzuleisten, oder ob Sie mit Herz dabei sind. Jede Art von Betreuung fordert  gegenseitiges Vertrauen und gute Kommunikation. Für viele Menschen ist es eine unangenehme Vorstellung eine fremde Person ins Haus zu lassen, die dadurch Teil am Privatleben nimmt.

Ein schwerer Schritt, Hilfe zu suchen oder diese wenigstens anzunehmen. Für Herrn H. bereits das zweite Mal in seinem Leben, wie sich im Gespräch herausstellte. Und da kam sie, die Wende im doppelten Sinne. Der dritte Oktober 2017 rief bei dem gebürtigen Leipziger und der gebürtigen Erfurterin so manche Erinnerungen wach. Die Frage, ob man Hilfe von Fremden annehmen könne oder nicht, stellt sich das Paar gar nicht erst: 1983 stand Werner H., 1940 in Leipzig geboren, gemeinsam mit seiner damaligen Frau und seinem 17-jährigen Sohn im Gießener Notaufnahmelager. Vor Jahrzehnten lebten hier Heimatvertriebene aus den Ostgebieten und DDR-Flüchtlinge. Heute wie damals dicht gedrängt und scheinbar ohne Perspektive: "Ich hatte einen traumhaften Job in der DDR" erinnert sich der ehemalige Technische Angestellte der Bahn. "Aber meine Frau brauchte dringend medizinische Hilfe. Nach vielen Versuchen wurde uns von der DDR endlich der Ausreiseantrag genehmigt. Natürlich nicht ohne meinem Sohn die Ausbildungslizenz wegzunehmen. Da stand man erst mal da, mittellos in einem Flüchtlingsheim, bekam Arbeitslosengeld und musste sich neu organisieren und Hilfe suchen."

Die Reise hierher war bereits ein Kraftakt. Getrieben von der inneren Überzeugung und der Hoffnung auf medizinische Hilfe für seine kranke Frau. Nicht, weil die DDR entsprechende medizinische Mittel nicht gehabt hätte, sondern, weil sie diese nur Parteifreunden zuteilwerden ließ. Werner H. und seine damalige Frau waren keine Parteifreunde und sie wollten auch keine werden.

Seit 16 Jahren lebt Werner H. mit seiner neuen Lebensgefährtin in Bad Nauheim. Gerade Anfang Oktober erinnert sich das Paar besonders oft an die Vergangenheit zurück. Auf die Frage wo die Unterschiede zwischen Ost und West lagen wenn es um Betreuung von Menschen geht, hat das Paar eine klare Antwort parat: "Die Betreuung von Kindern war auf jeden Fall gesichert. Schon allein deshalb, weil wir gemeinschaftlicher gelebt haben. Der Zusammenhalt war größer, die Kinder sind nicht jeder für sich im eigenen Garten aufgewachsen, da gab es nicht in jedem zweiten Garten ein riesen Trampolin. Es gab einen Spielplatz für alle und so sind die Kinder gemeinsam groß geworden" erinnert sich der 77jährige. "Die Alten wurden aber ziemlich alleine gelassen vom System, da hätten wir in unserer jetzigen Lage keine Unterstützung bekommen", schließen die beiden ab.

Herr H. und Frau L. waren einmal leidenschaftliche Tänzer und Köche und erinnern sich gerne daran zurück: "Heute tanze ich nur noch in meinem Rollstuhl", sagt Werner H. und lacht dabei schelmisch: "Aber schlimmer noch ist, dass unsere Haushaltshilfe von FABiS Vegetarierin ist, dass ich das zuhause nochmal erleben darf, sonst ist Frau Reinhardt ja wunderbar, da muss man eben improvisieren können. Mal ernsthaft - Vertrauen und gegenseitige Anerkennung müssen da sein, sonst klappt es nicht. Und das habe ich direkt nach dem ersten Besuch schon bemerkt, es passt einfach.“ Frau L. erinnert sich gut an Ihre Entscheidung zurück: "Ich habe damals einen FABiS Flyer beim Physiotherapeuten gesehen, da habe ich nicht lange überlegt und beschlossen, dass uns professionelle Hilfe zuhause vieles leichter macht. Kurz darauf musste ich sechs Wochen ins Krankenhaus. Ohne Unterstützung wäre das alles nicht gegangen."

Ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Haushalt führen und die gewohnte Lebensqualität beibehalten – im Alter meist schwierig. Bei akuten Erkrankungen, körperlichen Einschränkungen oder Pflegebedürftigkeit, stehen die Betroffenen, aber auch die pflegenden Angehörigen, vor großen Herausforderungen. Alleine ist das oft nicht zu schaffen. Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich und müssen den individuellen Bedürfnissen der Kunden unbedingt angepasst werden, denn Betreuung findet schließlich in ihrer Privatsphäre statt. „Letztlich muss die Chemie stimmen“, sagt Irmhild Neidhardt, Leiterin des Bereiches Betreuung bei FABiS.

 

(Hinweis: Änderung der Namen der Kunden wurde vorgenommen)

» zur Übersicht
Copyright © FAB gemeinnützige GmbH für Frauen Arbeit Bildung 2018.